Purim 5786 in Bacău: Fest der Rettung und der Hoffnung
Die Jüdische Gemeinde von Bacău hat am Sonntag, dem 1. März 2026, das Purimfest des jüdischen Jahres 5786 gefeiert. Es war bereits die dritte Purim-Feier in der frisch renovierten Synagoge der Getreidehändler. Es warein bedeutendes Ereignis für die kleine aber aktiveGrelgiüse Gemeinschaft. In diesem Jahr stand das Fest jedoch auch im Schatten der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten.
Auf Einladung des Gemeindevorsitzenden Hainrich Brif nahmen zahlreiche Vertreter lokaler Institutionen und Minderheitenorganisationen teil. Unter den Gästen befanden sich Repräsentanten des Heldenkultes (Danuŧ Voicu), der Union der Berufsjournalisten Rumäniens (Petru Done), der Armenischen Gemeinschaft (Vasile Agop), der Roma-Organisationen (Doru Tanase) sowie des Demokratischen Forums der Deutschen in Bacău (Mihaela Brunhuber). Auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Roman, Prof. Iancu Wexler, die Leiterin des Jüdischen Gemeindezentrums Iași, Ina Vladcovschi, sowie der Direktor des Museums „Iulian Antonescu“ in Bacău, Alin Popa, waren anwesend. Ihre Teilnahme unterstrich den interkulturellen Charakter der Veranstaltung.
Eröffnet wurde die Feier vom Oberrabbiner von Iași und Moldau, Yehoshua Aronovich, gemeinsam mit dem Gemeindevorsitzenden. Beide erläuterten die religiöse und historische Bedeutung des Purimfestes. Purim erinnert an die Rettung der Juden im Persischen Reich vor mehr als 2.300 Jahren. Damals verhinderte Königin Esther die von Haman geplante Vernichtung ihres Volkes. Die Ereignisse sind im biblischen Buch Esther – der „Megillat Esther“ – überliefert, das traditionell am 14. Tag des Monats Adar öffentlich verlesen wird.
Purim gilt als eines der fröhlichsten Feste im jüdischen Kalender. Anders als an vielen anderen Feiertagen sind Arbeit und Feuer erlaubt. Charakteristisch sind das gegenseitige Beschenken mit Speisen (Mischloach Manot), Spenden für Bedürftige (Mattanot la-Evyonim), ein festliches Mahl sowie das Tragen von Masken und Kostümen. Auch Wein gehört traditionell zur Feier.
In Bacău wurde das Fest trotz der angespannten weltpolitischen Lage bewusst als Zeichen der Hoffnung begangen. Rabbiner Aronovich zog in einer eindringlichen Ansprache Parallelen zwischen der biblischen Geschichte und gegenwärtigen Bedrohungen. Wie einst das persische Reich unter Achaschverosch von machtbewussten Herrschern geprägt gewesen sei, gebe es auch heute Diktatoren mit Geld, Raketen und Atomwaffen, die offen von der Zerstörung Israels sprächen. Gerade deshalb habe die Purim-Botschaft von Rettung und göttlicher Fügung besondere Aktualität.
Musikalisch wurde die Feier vom Chor „Shalom“ der Jüdischen Gemeinde unter der Leitung von Mariana Herman gestaltet. Mit bewegender Intensität erklang das Lied „Havenu Shalom Alechem“ – „Bringt Frieden in die Welt“. Ein Orgelrezital mit klassischen jüdischen Melodien von (Irinel Aciobanitei) ergänzte das Programm. Den Abschluss bildete ein gemeinsames Beisammensein mit traditionellen Speisen.
Die Feier fand in einem besonderen historischen Rahmen statt: der Synagoge der Getreidehändler, rumänisch „Sinagoga Cerealiștilor“. Das 1887 im lokalen Baustil errichtete Gotteshaus ist heute das einzige erhaltene von einst 22 Synagogen und Bethäusern in Bacău. Die dekorativen Kuppel- und Wandmalereien aus den Jahren 1926–1927 stammen vom Iașier Künstler Avram Mendel Grünberg und zeigen biblische Motive, Tierdarstellungen sowie Ansichten des Heiligen Landes in neobarocker Gestaltung.
Nach 1955 wurde das Gebäude nicht mehr religiös genutzt, seine Fassade in den 1960er Jahren durch Wohnblocks verdeckt. 1991 wurde es als Museumsobjekt anerkannt, seit 2004 steht es unter Denkmalschutz. Die jüngste Renovierung hat das Bauwerk wieder zu einem sichtbaren Ort jüdischen Lebens gemacht.
Purim 5786 in Bacău war somit nicht nur ein Fest der Erinnerung, sondern ein deutliches Zeichen für Hoffnung, kulturelle Kontinuität und den Wunsch nach Frieden.
Bilder von der Veranstaltung:
Link zu Google Photos: https://photos.app.goo.gl/P34HNWtgBvqWckcx7
Videos von der Veranstaltung
Link zum Kanal auf Youtube: https://www.youtube.com/playlist?list=PLvXy1cb_aoAWhJSPf5E-wGvsixpqKV1T5
Medienberichte über die Veranstaltung:
Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien 06.03.2026
